Ab wann kannst du mit deinem Baby wandern gehen?

Das ist eine Frage, die mich sehr bald beschäftigt hat. Eigentlich noch vor der Geburt.
Große Veränderungen stehen an
Im sechsen Monat meiner ersten Schwangerschaft haben wir unsere letzte “richtige” Wanderung gemacht.  An meinem Geburtstag schenkte mir mein Mann einen spontanen Kurztrip nach Innsbruck und die umliegenden Berge. Eine richtige Bergtour mit Hüttenübernachtung und allem drum und dran. Ich habe zwar länger als sonst gebraucht und war insgesamt vorsichtiger, aber es war dennoch traumhaft schön. Einen Monat später ging es schon nicht mehr. Zu viel Angst bei leicht ausgesetzten Stellen. Zu schnell war ich erschöpft.

Wann kannst du deinem geliebten Hobby wieder fröhnen?
Wie du diese Frage für dich beantwortest, hängt von vielen Punkten ab – auch von der Definition des Wanderns. Ausgedehnte Spaziergänge mit dem Kinderwagen im Tal gehen natürlich viel früher wieder als Touren über Stock und Stein mit vielen Höhenmetern. Ich entscheide mich mal für die Definition “Hauptsache draußen ohne Stadtlärm”.

Anfangs hängt es nicht vom Baby ab, sondern von der Mama
Sind alle Geburtsverletzungen verheilt? Was macht der Beckenboden? Fühlt sie sich fit genug? In den ersten Wochen nach der Geburt des großen Muckelchens hat mich schon der Gang um den Block erschöpft. Aber sobald es mir besser ging, habe ich versucht, die meisten Wege in der Stadt zu Fuß zu gehen. Vom Kinderarzt nach Hause. Zum Frauenarzt und wieder nach Hause. Zum Mutti-Treff und so weiter. Nach und nach habe ich so meinen Radius wieder erhöht, sodass ich für meine erste Wanderung einigermaßen fit war. Die erste Kinderwagen-Wanderung hier im Frankfurter Umland haben wir nach circa sechs Wochen gemacht. Es war eine Variante des Hofheimer Kapellenbergs. Wir waren sicher gute zwei Stunden unterwegs und haben auch einige Höhenmeter hinter uns gebracht. Als Belohnung gab es Kaiserschmarr’n. 😊 Natürlich kann man einen solchen Ausflug nicht mit meinen Touren vorher vergleichen. Dennoch hat es gut getan, die Stadt hinter mir zu lassen, mich zu bewegen und meinen Körper zu spüren.

Tragebaby oder kein Tragebaby
Ich hatte es mir so schön vorgestellt. Das Baby kommt ins Tragetuch oder in die Babytrage und schläft durch das sanfte Schaukeln beim Wandern ein.

Baby in der Trage | Copyright: Anja Heuer
Baby in der Trage | Copyright: Anja Heuer

Tja… nicht mit unserem großen Muckelchen. 😢 Sie hat es gehasst. So richtig. Sie hat geschrien wie am Spieß. Sie wollte generell keine beengenden Situationen. Kein Kuscheln, kein Schmusen, kein Rumtragen. Die Hebamme meinte, wir sollten es immer wieder üben. Das gibt sich bestimmt. Äh…nö. Ein paar Mal haben wir es “forciert” – haben sie in der Trage gelassen, bis sie eingeschlafen ist. Nach einem größeren Zwischenfall auf Madeira haben wir es jedoch aufgegeben. Also wieder zurück zum Kinderwagen. So ist das halt mit den Muckelchen – jedes hat seine Eigenheiten. Und für diese lieben wir sie. 😉

Später haben wir noch andere Tragesysteme ausprobiert. Was ganz gut funktioniert hat, war die BabyBjörn-Trage. Hier ist es auch möglich, das Baby nach vorn gewandt zu tragen. Das mochte das große Muckelchen – sie konnte sehen, was passiert und war nicht so stark an mich gedrückt. Jetzt bin ich gespannt, ob ich böse Kommentare darüber bekomme, dass ich das nicht machen soll. 😉 Haben wir auch nicht häufig – auch nicht zum Wandern. Eher für kürzere Wege. Es war eine große Erleichterung, dass wir nicht immer den Kinderwagen benutzen mussten und das große Muckelchen so ans Getragen werden gewöhnen konnten. Nach einiger Zeit hat es auch zum Körper gerichtet funktioniert.

Ich hoffe für dich, dass du ein verschmustes Tragebaby hast und so schneller wieder auf den nächsten Berg steigen kannst. Ich denke, wenn du dir nicht zu viel vornimmst und die Sache langsam angehen lässt, sind wunderschöne Touren möglich.

Endlich in die Kraxe!
Mit circa neun Monaten konnte das große Muckelchen frei sitzen und durfte somit in die Kraxe.

354 Stufen führen durch die Wolfsklamm | Copyright: Anja Heuer
354 Stufen führen durch die Wolfsklamm | Copyright: Anja Heuer

Erste Test-Spaziergänge im heimischen Hessen zeigten, dass sie das erhöhte Sitzen und nach vorn Schauen liebt. Sie hat gejauchzt und konnte auch ohne Probleme einschlafen. TOP!! Der erste Wanderurlaub konnte kommen. Wir sind eine Woche ins Zillertal und eine Woche nach Berchtesgaden gefahren. Hier eine kleine Auswahl unserer Touren:


Der eigene Anspruch
Nach neun Monaten Eltern sein konnten wir auch besser einschätzen, was mit unserem Muckelchen gut funktioniert und was nicht. Wir waren als Eltern gut eingespielt und hatten unseren eigenen Anspruch runtergeschraubt.

Blick auf den Watzmann - unterhalb des Grünsteins | Copyright: Anja Heuer
Blick auf den Watzmann – unterhalb des Grünsteins | Copyright: Anja Heuer

Es ist halt nicht mehr so wie früher. Überraschung!! 😂 Lange Touren hoch hinaus gehen halt momentan nicht. Mittlerweile bin ich glücklich und zufrieden, wenn wir viel Zeit draußen verbringen und kein Stress aufkommt. Wenn ich Berge sehen darf und eine Tour ohne Zwischenfälle klappt. Auch in diesem ersten Wanderurlaub haben wir uns nach und nach gesteigert. Am Ende sind wir Touren von drei Stunden Gehzeit und 500 Höhenmetern gegangen. Da ich wieder schwanger war, hat mir das auch gereicht. 😉Und nun heißt es wieder abwarten. Das zweite kleine Muckelchen ist vor wenigen Tagen geboren und so bald werde ich die Berge wohl nicht wiedersehen. Aber ich kann mit dir in Erinnerungen schwelgen und noch einmal damit anfangen, mir das Wandern und meine Fitness zurückzuerobern. Irgendwann steh ich schon wieder auf dem Watzmann statt nur daneben auf dem Grünstein. Ich freu mich auf die Reise dorthin. Darauf, meinen Kindern die Berge näher zu bringen. Auf die Entschleunigung, die Kinder mit sich bringen. Auf Ameisen am Wegesrand. Auf Papierschiffchen im Alpenbach. Auf Kuhglockengeläut. Auf Blumenwiesen. Auf  Kinderlachen.

Was soll euch mein kleiner Exkurs sagen?
Jedes Baby ist anders. Jede Mama ist anders. Jede Familie ist anders. Das eine funktioniert bei den einen gut, bei den anderen gar nicht. Es gibt kein Patentrezept. Kein perfektes Alter, zu dem du wieder mit dem Wandern starten kannst. Probier es aus. Immer mal wieder. Nimm dir nicht zu viel vor. Setz dich nicht unter Druck. Freu dich an Sonnenschein und den kleinen Dingen des Lebens. Vor allem freu dich an deiner Familie und der gemeinsamen Zeit. Sie verfliegt so schnell. 😊

Wie war das bei dir? Wie hast du als frisch gebackene Mama oder als frisch gebackener Papa das Wandern wieder aufgenommen? Welches Hobby fehlt dir am meisten?👨‍👩‍👧‍👦❤⛰

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4 Kommentare auch kommentieren

  1. Mamality sagt:

    Oh, herzlichen Glückwunsch und eine schöne erste Zeit zu viert! 😍 Mir hilft bei sowas immer der Gedanke, dass eben viele Dinge irgendwann wieder gehen, wenn die Kinder größer sind. Und bis dahin muss man die Dinge eben etwas anders gestalten. Ich glaube, mit unserem Kleinen könnten wir auch gut wandern. Der ist ein absolutes Tragebaby. Ist für mich auch praktischer, weil ich so immer beide Hände für die Große frei habe.

    1. Danke dir! So wie es bisher aussieht, wird das kleine Muckelchen auch ein Tragebaby. Es will gar nicht abgelegt werden – soooo schön! Ich bin da ganz deiner Meinung – jetzt ist es hat erst einmal anders. Anders schön. Alles andere kommt mit der Zeit und wird zu viert noch schöner als zu zweit. 😊

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