Annweiler Burgenweg – Pfälzerwald

Dass ein Mittelgebirge einmal Glücksgefühle wie die Alpen in mir hervorrufen könnten, hätte ich nicht gedacht. Aber der Pfälzerwald ist einfach nur wunderschön. Genau das richtige Maß an Hügeligkeit, wunderschöne Eichen- und Buchen-Mischwälder, Burgen über Burgen und bizarre Bunt-Sandsteinfelsen. Was für ein toller Kontrast. In diesem Blogpost beschreibe ich dir das Highlight unseres Urlaubs: den Annweiler Burgenweg. Mit 2,5 Stunden reiner Gehzeit und knapp 400 Höhenmetern die perfekte Tour, um wieder mit dem Wandern einzusteigen. Dieses erste Mal sind wir nun zu viert – das große und das kleine Muckelchen, Mama und Papa.

👨‍👩‍👧‍👦❤️⛰

Start Wanderparkplatz an den Kuranlagen, Bindersbacher Straße, Annweiler am Trifels (202m)
Ziel Rundweg über die Burgruinen Scharfenberg (482m) und Anebos (480m) sowie die Burg Trifels (494m)
Höhendifferenz 396m
Länge  7,5km
Gehzeit 2,5h
Dauer (inkl. Pausen) 4h (plus Einkehr)
Parkmöglichkeiten/Anreise Wanderparkplatz an den Kuranlagen, Bindersbacher Straße, Annweiler am Trifels;
alternativ mit der Bahn: zum Beispiel 50min ab Karlsruhe, Zug fährt stündlich
Wegbeschaffenheit  schmale Pfade, wenige Forststraßen
Kinderwagengeeignet? Nein
Einkehr Restaurant Barbarossa (täglich ab 10Uhr), unterhalb der Burg Trifels
Besonderheiten Pfälzer Spezialitäten im Restaurant Barbarossa, Burgruinen Anebos und Scharfenberg, Besichtigung Burg Trifels (März bis Oktober täglich 10 bis 18Uhr, sonst 10 bis 17Uhr, Ticket Erwachsene 4,50€, am Wochenende Führungen)
Link zur Tour Tourenbeschreibung Trifelsland oder Tourenplaner Rheinland Pfalz
Wann? Die Tour sind wir im Mai 2018 gegangen – das große Muckelchen war damals siebzehn Monate, das kleine Muckelchen vier Monate alt.

Aufstieg zur Burgruine Scharfenberg

Ausgezeichnete Beschilderung am Weg | Copyright: Anja Heuer
Ausgezeichnete Beschilderung am Weg | Copyright: Anja Heuer

Wir starten am Wanderparkplatz in der Nähe der Kuranlagen in Annweiler. Das ist wirklich nicht zu verfehlen. Das schöne: Der Parkplatz ist kostenfrei und sehr schattig, sodass du dir auch im Sommer keine Gedanken machen musst, dass das Auto überhitzt. Der Annweiler Burgenweg ist auch schnell gefunden – du folgst einfach dem Pfad am Ende des Parkplatzes in den Wald. Da es sich um einen Premiumweg handelt, ist er auch ausgezeichnet ausgeschildert. Du brauchst kein weiteres Kartenmaterial. Wir folgen also dem Weg weiter in den Wald hinein. Das große Muckelchen in der Kraxe auf Papas Rücken. Das kleine Muckelchen in der Trage vor meinem Bauch. Nach nur wenigen Schritten ist es eingeschlafen. Ich finde es richtig großartig, dass er das Tragen scheinbar sehr viel besser findet als seine große Schwester. Somit steht unseren geplanten Touren im Sommer nichts im Wege. Top! 👍

Aber nun erst mal zum Annweiler Burgenweg. Es geht über Stock und Stein, stetig aufwärt. Hinter mir höre ich es schnaufen! Ich selbst bin zwar schön warm gelaufen, aber bisher ist die Steigung kein Problem. Bin ich etwa fitter als der Wanderpapa? Haben die zahlreichen Sportkurse, die ich seit nunmehr drei Monaten mache, schon Erfolge erzielt? Auch wenn es an dem unterschiedlichen Gewicht unserer Mitwanderer liegen könnte, bin ich sehr zufrieden mit mir und freue mich, dass mir das Wandern so leicht von den Füßen geht. Ohne Pausen stiefeln wir Kehre um Kehre durch den Wald bis zur Burgruine Scharfenberg. Wir erklimmen die letzten Stufen in den ehemaligen Burghof und blicken das erste Mal über die Baumwipfel des Pfälzerwaldes. Der Anblick ist famos. Ein

Blick von der Burgruine Scharfenberg zur Burg | Copyright: Anja Heuer
Blick von der Burgruine Scharfenberg zur Burg | Copyright: Anja Heuer

grünes Meer durchbrochen von einzelnen Felsen oder Burgen. Mir gefällt es so sehr, dass ich das eine oder andere Tränchen wegdrücken muss. So lange konnte ich schon nicht mehr wandern gehen, dass dieser Anblick mich einfach nur unfassbar glücklich macht. Dabei sind es noch nicht einmal die Alpen… 😄

Weiter zur Burgruine Anebos

Nur selten treffen wir auf andere Wanderer | Copyright: Anja Heuer
Nur selten treffen wir auf andere Wanderer | Copyright: Anja Heuer

Auf der Burg machen wir eine ausgiebige Rast und packen diverse Leckereien aus. Das große Muckelchen und der Wanderpapa haben einen Bärenhunger und verdrücken doch fast unseren gesamten Proviant. Gut, dass ich immer Touren mit Einkehr auswähle und wir so nicht in die Bredouille kommen, nicht genügend dabei zu haben. Mit einem kleinen Mittagessen im Bauch sollte nun auch das große Muckelchen gut schlafen können. Wir justieren die Kraxe noch einmal nach und nun kommt das kleine Köpfchen gut auf dem Kissen der Kraxe zur Ruh. Keine fünf Minuten wackeln auf Papas Rücken und sie ist eingeschlafen. Hach, läuft das heute gut! 😄 Wir folgen dem Annweiler Burgenweg weiter und müssen erst einmal absteigen. Wieder laufen wir durch diesen wunderschönen Wald. Das helle Grün der Blätter leuchtet und setzt sich deutlich vom rötlich-braunen Boden ab. Hier und da begegnet uns ein Fels. Und kaum andere Wanderer! Wir lieben Pfade, die nicht so überlaufen sind. Pfade, auf denen wir einfach nur vor uns hinstapfen können. Unseren Schritten und Gedanken lauschend. Nach einer guten halben Stunde erreichen wir die Burgruine Anebos. Anders als bei der Scharfenberg sind nur noch wenige Spuren sichtbar. So erkennen wir einige Mauerreste und Bearbeitungsspuren im Felsen, die an Fenster erinnern. Wie es wohl war, Anfang des 12. Jahrhunderts auf dieser Burg zu leben? Auf diese Zeit wird die Burg zurück datiert. Da es nicht mehr so viel zu sehen gibt, machen wir uns auch gleich weiter und steigen wieder ab. Um zur Burg Trifels zu kommen, müssen wir einen Teil des Weges zurückgehen und an einer Wegkreuzung dem entsprechenden Schild zur Burg Trifels folgen. Wirklich toll ausgeschildert!

Pfälzer Spezialitäten im Barbarossa

Wandern macht glücklich und müde | Copyright: Anja Heuer
Wandern macht glücklich und müde | Copyright: Anja Heuer

Am Fuße der Trifels-Burg gibt es einen großen Parkplatz. Möchtest du nur die Burg besichtigen, kannst du deine Tour auch hier starten. Leider kamen wir erst einmal nicht weiter als bis zum Parkplatz. Zu verlockend waren die angepriesene Pfälzer Spezialitäten des Barbarossas. Saumagen, Grieweworscht und Grummbeer-Panneküchle – was mag das nur sein? 😄 So viel sei verraten: Es war sehr lecker und eine Einkehr im Barbarossa sehr empfehlenswert! Ich hatte einen Flammenkuchen mit Gorgonzola und Birne und der Wanderpapa Gröschteldes. Wer weiß, was das ist??? Das große Muckelchen hat das großartige Mahl leider verpasst und lieber in der Kraxe geschlummert. Sie ist erst eine Stunde später auf der Trifels wieder aufgewacht und bekam ihre Bratkartoffeln dann einfach unterwegs. Aus dem Doggy-Bag wird ein Muckelchen-Bag.  😉

Kleine Wunder am Wegesrand

Ausgiebig gestärkt machten wir uns nun auf den Weg zur Trifels-Burg – der letzte Anstieg für heute. Doch auch hier kamen wir nicht weit. Eine kleine Wandergruppe kam uns aufgeregt entgegen. Es geht nicht weiter. Auf dem Weg hat ein Reh gerade ihre zwei Jungen zur Welt gebracht. Die Mutter war jedoch von den Menschen so verstört, dass sie das Weite gesucht hat und ihre Kitze zurückgelassen hat. Diese riefen nun verzweifelt nach ihrer Mama und die Mama antwortete aus dem Wald. Da blutete mein Mamaherz. 😢 Statt sich leise zu entfernen diskutierte die Gruppe nun lautstark, was nun aus den Kitzen werden wird. 🙄 Der Förster war auch schon da und versicherte, dass er die Kitze mitnehmen würde, sollte die Reh-Mama nicht wieder kommen. Das beste sei jedoch, sie einfach in Ruhe zu lassen. Nicht reden, nicht anfassen und am besten einen großen Bogen um sie machen. Das taten wir dann auch – wir stiegen zügig zur Burg auf und warfen nur einen kurzen Blick auf die Rehlein. Mei, waren die goldig. Um sie nicht zu stören, haben wir auch kein Foto gemacht… aber den Anblick vergesse ich auch so nie. Hach…

Alt und neu in einem – die Burg Trifels

Alt versus neu - Burg Trifels | Copyright: Anja Heuer
Alt versus neu – Burg Trifels | Copyright: Anja Heuer

Um den Rehen möglichst viel Zeit zu lassen, warnten wir jeden der uns entgegen kam sowie den Schlosswart. Auch wir ließen uns viel Zeit und erkundeten jeden Winkel der Burg. Eine sehr gut erhaltene und gepflegte Anlage. Erbaut wurde sie im 11. Jahrhundert und spielte im Mittelalter eine große Rolle als Reichsburg. Kopien der Reichskleinodien konnten wir bestaunen: das Reichszepter, der Reichsapfel, das Reichsschwert, Reichskreuz und natürlich die Reichskrone. Alle auf einmal hatte ich so noch nicht gesehen. Auch König Löwenherz hat sich gern auf der Burg aufgehalten. Moment – gern? Nein, er wurde gefangengenommen und für mindestens drei Wochen dort eingesperrt. Viele kurzweilig geschriebene Tafeln sowie hier und da lustige Rätsel für größere Kinder bringen dir die Geschichte der Burg näher. Im 17. Jahrhundert wurde sie leider von einem Blitz getroffen und ist komplett abgebrannt und nach und nach zerfallen. Doch da die Burg in der Vergangenheit so wichtig war, geriet sie nicht in Vergessenheit und wurde (leider nicht originalgetreu) wieder aufgebaut. Den Anfang übernahm das Königreich Bayern im 19. Jahrhundert. Der größte Teil der neuen Burg wurde jedoch zur Zeit des Nationalsozialismus errichtet. Noch heute kannst du den alten Teil (11. Jahrhundert) vom neuen Teil (20. Jahrhundert) deutlich unterscheiden. Solltest du einmal in der Nähe sein, kann ich dir den Besuch der Burg nur ans Herz legen.

Schneller Abstieg

Um wieder zum Auto zu kommen, stiegen wir erst einmal zum Parkplatz mit dem Restaurant Barbarossa ab. Die Kitzlein waren leider immer noch mitten auf dem Weg. Mittlerweile konnten sie jedoch aufstehen und wirkten auf uns recht munter. Hoffentlich hat das ein gutes Ende genommen. Für den Nachmittag und Abend war Regen angesagt und da es in den vergangenen Tagen sintflutartig geschüttet hatte, wurde ich langsam nervös. Ich trieb meine Familie zum zügigen Abstieg an und nach ein paar Minuten setzten auch die ersten Tropfen ein. Sollten wir anhalten und die Regenkleidung anziehen? Nein… Ich habe lediglich das kleine Muckelchen mit meiner Regenjacke geschützt und so sind wir tapfer weitermarschiert. Das dichte Blätterdach hat das ärgste abgehalten und so sind wir nach einer halben Stunde relativ trocken wieder am Auto angekommen. Witzig, wie sich die Bedürfnisse und Ängste ändern, wenn du Mama wirst. Was hätte denn groß passieren sollen? Wir wären nass gewesen… Früher hätte mich das nicht groß gestört… Und mit den Babys. Mensch, war ich angespannt… Aber es war warm, das Auto in absehbarer Zeit erreichbar und am Ende ist wieder alles gut gegangen.

Warst du schon einmal im Pfälzerwald? Hat es dir auch so gut gefallen? Welche Tour kannst du uns für das nächste Mal empfehlen?

👨‍👩‍👧‍👦❤️⛰

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3 Kommentare auch kommentieren

  1. Doris Weber sagt:

    Klingt ja echt sehr entspannt alles! 😎
    Un die Kitze musst du dich nicht sorgen, wenn die Mutter sogar aus dem Wald antwortete, stand sie sowieso in Kontakt mit den Kleinen. Weggehen ist das einzig Richtige 👍

    1. kleinegipfelstuermer sagt:

      Ja, diese erste größere Wanderung zu viert klappte definitiv besser als unsere erste Wanderung zu dritt. Ich hoffe, es bleibt so. Und wenn nicht, über ich mich in Geduld. Irgendwann können sie ja selbst laufen. 😉

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