Wie überstehe ich lange Autofahrten trotz Baby und Kleinkind?

Du fährst mit deiner Familie mit dem Auto in den Urlaub und bist schon mehrere Stunden unterwegs. Du siehst das Ausfahrtsschild an dir vorbeiziehen und denkst gerade über eine mögliche Pause nach, da dein Kleinkind langsam quengelig wird. Tja, wärst du mal rausgefahren. Vor dir tut sich eine Kolonne roter Rücklichter auf und es bewegt sich nichts mehr. STAU!!! Mehrere Kilometer lang. Keine Ausfahrt in Sicht. Panik! Dein Kind wird immer lauter. Das Baby wird wach und fängt an zu schreien. Der Fahrer brüllt “Warum sind wir nicht rausgefahren?” Am Ende schreien sich alle an. So schlimm muss es natürlich nicht gleich werden, aber lange Autofahrten sind anstrengend für alle Beteiligten.

Wir wohnen aktuell in Frankfurt am Main. Damit sind die Alpen für uns nicht gerade um die Ecke. Auch wenn wir sonst versuchen, die Autofahrten möglichst kurz zu halten – unter zwei Stunden, haben wir schon die eine oder andere lange Autofahrt überstanden. 650km zeigte das Navi beispielsweise bis zu unserem aktuellen Urlaubsziel. Wie kannst du eine solche Strecke so gestalten, dass es für alle Familienmitglieder erträglich ist? Mit im Gepäck: das große Muckelchen mit 18 Monaten und das kleine Muckelchen mit 5 Monaten, Mama und Papa.

Unsere 15 Tipps für lange Autofahrten (zum Beispiel in die Berge)

  1. Rechtzeitig packen und Gepäck am Abend vorher ins Auto
    Wir hatten dieses Mal einen Fahrradanhänger für 2, eine Kraxe, eine Manduca, eine Babywippe, zwei volle Koffer, und jede Menge

    Rechtzeitig zu packen spart viel Ärger und Streitereien | Copyright: Pixabay
    Rechtzeitig zu packen spart viel Ärger und Streitereien | Copyright: Pixabay

    Krimskrams, der im Auto verstaut werden wollte. Momentan packe ich die Kleidung der Kinder in einen und unsere Kleindung in den zweiten Koffer. Wir haben zwar ein relativ großes Auto, dennoch müssen wir uns durch die Mitnahme des Fahrradanhängers sehr zusammenreißen. So blieben zum Beispiel diverse Ersatzkleidungsstücke, der Fön, der Pürierstab (für den selbstgemachten Babybrei), diverse Essensbasics für die Küche und meine Bücher zu Hause. Ich versuche meist in der Woche vorher schon alles bereitzulegen. Hierfür stelle ich mir die Koffer in eine weniger genutzte Ecke des Wohnzimmers und immer wenn mir etwas einfällt, was wir brauchen könnten, wandert es in den Koffer. Beim eigentlichen Packen wandert dann natürlich auch viel wieder raus. Mir persönlich geht es mit dieser Taktik jedoch sehr gut, da ich eine Woche lang Zeit habe, mir alles rauszusuchen und ich dann am Ende nur noch aussortieren muss. Am Abend vor der Abfahrt kommt dann alles ins Auto und es gibt keinen Stress mehr direkt vor der Abfahrt.

  2. Befragt zuvor den ADAC Staukalender
    Dass du nicht an Heiligabend oder Karfreitag in den Urlaub starten und somit lange Zeit im Auto verbringen solltest, ist vielleicht klar. Aber es gibt noch andere Tage, an denen es sich ganz sicher auf Deutschlands Straßen staut. Daher schauen wir vorher in den ADAC-Staukalender und fahren auf keinen Fall an roten Tagen und wenn es sich vermeiden lässt nicht an orangen Tagen. Einmal haben wir den Fehler gemacht über Ostern von Frankfurt nach Österreich zu fahren. Das war noch vor den Kindern und es kam fast zu Scheidung. Gott sei Dank nur fast. 😉
  3. Fahrt auf mehrere Tage verteilen
    Fahrten, die unsere persönliche Schmerzgrenze von vier Stunden überschreiten, versuchen wir auf mehrere Tage zu strecken. In unserem aktuellen Urlaub geht es in die Dolomiten. Reine Fahrtzeit sieben Stunden. Was bietet sich da mehr an, als ein kurzer Besuch in unserer alten Heimat München? Frankfurt-München 3:30h. München-Sankt Magdalena (Italien) 3:40h. Klingt doch gar nicht mehr so schlimm, oder?
  4. Extratasche für die Übernachtung
    Damit nicht alle unsere Koffer mit in unsere Unterkunft geschleppt werden und wir umständlich nach den Schlafsachen suchen müssen, packe ich eine extra Übernachtungstasche für uns. Dabei nicht zu vergessen: Duschbad, Zahnpasta&Co sowie die Kinderschlafsäcke.
  5. In den Schlafzeiten der Kinder fahren
    Wir fahren meist nach einem gemütlichen Frühstück gehen zehn, spätestens elf Uhr los. Das kleine Muckelchen macht dann seinen Vormittagsschlaf, das große Muckelchen einen verfrühten Mittagsschlaf.  Wenn wir ganz großes Glück haben, können wir zwei Stunden ungestört Auto fahren. Essentiell ist, dass wir die Handys auf “Nicht stören” stellen. Nicht selten hat ein kurzer Anruf die Kinder wieder wach gemacht. Dann ist nicht mehr an schlafen zu denken und die Laune miserabel. Nach einer ausgiebigen Mittagspause schlafen die Kinder meist auch noch mal. Was natürlich auch geht, ist die Autofahrt in den Abend zu legen. Das funktioniert aber nur, wenn der Tag für uns Eltern nicht zu anstrengend war (kein Arbeitstag…). Zwei Stunden können wir auch fahren, wenn wir müde sind. Aber keine vier oder mehr.
  6. Regelmäßige Pausen & eine lange Mittagspause einplanen 
    Fahrt nicht auf Teufel komm raus durch. Der Fahrer wird immer müder. Die Kinder langweilen sich und haben irgendwann ganz sicher keine Lust mehr. Dann wird es laut im Auto. Daher lieber regelmäßig etwas längere Pausen machen, in denen die Kinder aus den Autositzen raus und sich bewegen können. Ein Kaffee für die Erwachsenen ist auch nie verkehrt. 😉 Genauso verhält es sich mit der Mittagspause. Auch wenn ein Imbiss an der Raststätte schnell geht und wir dann gleich wieder weiterfahren könnten, ist es doch angenehmer, eine lange Mittagspause einzuplanen. Dafür fahren wir auch von der Autobahn runter und suchen uns ein nettes Lokal in einem Ort in der Nähe. Häufig hat der Lokalbesitzer eine Kiste Spielzeug stehen und die kleinen Racker können glücklich vor sich hin spielen. Wir Großen können in Ruhe essen und auch die Wickelei geht viel entspannter von der Hand. Nach dieser langen Pause sind alle wieder frisch und einigermaßen erholt, sodass du wieder ein paar Kilometer runterfahren kannst.
  7. Sehenswürdigkeit entlang der Route besichtigen
    Statt einer langen Mittagspause kannst du natürlich auch eine Sehenswürdigkeit, die auf der Route liegt, anschauen. Wir fühlen uns häufig von diesen braunen Schildern an der Autobahn animiert, eine Pause einzulegen und ein Kloster, eine Burg oder einen Wildpark zu besichtigen. Auch das schafft Abwechslung zur faden Autofahrt und die Kinder sind danach angenehm erschöpft und zufrieden.
  8. Mit dem Fahren abwechseln (feste Wechselzeiten ausmachen)
    Üblicherweise fährt bei uns der Wanderpapa und ich bespaße und versorge die Kinder. Bei langen Strecken über zwei Stunden geht das nicht mehr. Daher haben wir uns angewöhnt, in den regelmäßigen Pausen zu tauschen. Spätestens nach anderthalb Stunden. Auch wenn der Fahrer dann noch nicht müde ist, beugt ein frühzeitiges Tauschen der Müdigkeit und somit Stress vor. Auch kann sich der Fahrer auf seine jeweilige Etappe einstellen und hat nicht das Gefühl, ewig fahren zu müssen.
  9. Kinderlieder, Hörbücher
    Früher hatten wir unsere eigene Playlist für lange Autofahrten. Leider können die Muckelchen herzlich wenig mit den Red Hot Chili Peppers anfangen. 😄 Stattdessen laufen jetzt Sing mit mir Kinderlieder als CD. Sobald die Muckelchen größer sind, werden auch Kinderhörbücher eingepackt. Die Musik oder auch mal ein Märchen vom YouTube-Kanal Deine Märchenwelt machen wir aber nur an, wenn gequengelt wird. Würde das durchgehend laufen, würde ich wohl durchdrehen. Und der Wanderpapa erst recht! 😄
  10. Bilderbücher in handlichem Format 
    Für die Autofahrt nehmen wir immer mehrere Bücher mit. Wichtig ist dabei das Format. Das Buch sollte nicht zu groß sein, damit das Muckelchen es auch im Auto gut umblättern kann. Bücher mit Klappen zum Entdecken kommen auch immer gut an. Unser absoluter Favorit: Unterwegs auf dem Bauernhof. Zugeben, es ist ein bisschen groß, aber unsere Kinder lieben es, die Klappen zu öffnen und die vermissten Kätzchen zu suchen. Schau doch auch mal bei dir in der Stadtbücherei vorbei. Häufig gibt es auch Bilderbücher für kleine Kinder zum Ausleihen. Der Vorteil – die Bücher sind neu und damit noch spannend.
  11. Neues, spannendes Spielzeug
    Entweder verstecke ich für einige Wochen ihr Lieblingsspielzeug oder kaufe extra etwas neues. In einem besonders quengeligen Moment auspackt, beschäftigt das neue Spielzeug die Muckelchen eine gute halbe Stunde. Wir nehmen meist immer etwas rund um das Thema Auto mit. Tut tut Flitzer nerven zwar – aber sie lenken auch von der größten Langeweile ab.
  12. Fingerfood, Trinken für die Fahrt
    Beim Autofahren gilt für Groß und Klein: immer ausreichend zu Trinken und Snacks in greifbarer Nähe. Für das große Muckelchen (aktuell 18 Monate) eignen sich Weintrauben, Brezelchen ohne Salz, Bananen, Aprikosen und und und. Das kleine Muckelchen nimmt Gott sei Dank noch mit Mamas Brust vorlieb.
  13. Wauzi!!
    Wauzi darf auf keiner Autofahrt fehlen!! | Copyright: Pixabay
    Wauzi darf auf keiner Autofahrt fehlen!! | Copyright: Pixabay

    Unser großes Muckelchen hat einen Stoffhund genannt Wauzi, ohne den sie nicht einschlafen kann. Der darf natürlich auch auf einer langen Autofahrt nicht fehlen. Kleiner Tipp: Sollte sich abzeichnen, dass dein Kind ein absolutes Lieblingskuscheltier hat, dann kauf es gleich auf Vorrat. Die Vorstellung, Wauzi könnte wegkommen…. 😱

  14. Mit dem Zug fahren & Mietwagen
    Solange wir nur ein Kind hatten, sind wir eigentlich fast immer mit dem Zug gefahren und vor Ort entweder mit den Öffentlichen unterwegs gewesen oder haben uns einen Mietwagen genommen. Im Zug könnt ihr umherlaufen, andere Kinder treffen und niemand muss fahren. Größere Pausen sind auch nicht nötig. Leider passt unser großer Kinderwagen nicht in den ICE, sodass das vorerst flach fällt.
  15. Immer mit der Ruhe
    Lasst euch nicht stressen. Nicht vom Stau. Nicht von Baustellen. Nicht von der Uhrzeit. Mit einer Portion Gelassenheit und Spaß ist noch jeder ans Ziel gekommen. ❤️

In diesem Sinne wünsche ich euch allen eine wundervolle Ferienzeit und hoffe, dass ihr einmal angekommen ganz großartige Abenteuer erleben werdet.

👨‍👩‍👧‍👦❤️⛰

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