Mein Wanderleben vor den Kindern

Das große Muckelchen ist jetzt ein Jahr alt und das zweite in wenigen Tagen da. Vieles hat sich in den letzten Jahren verändert – hauptsächlich zum Guten. Doch was ist es eigentlich, das ich am Wandern so vermisse? Wie sah mein Wanderleben vor den Knirpsen aus?

Wie alles begann – der polnische Wanderklub Halny

Nach dem Abitur machte ich 2003 ein Freiwilliges Ökologisches Jahr in Poznan, Polen und lernte dort meinen guten Freund Filip kennen. Unglaublich, dass das schon über 10 Jahre her ist!! 😮 1078648_10151490603131384_1827457545_o Nicht nur hat er mir die polnische Sprache sowie polnisches Essen und das gute alte “Wässerchen” näher gebracht, sondern mich auch mit zum Wandern genommen. Das waren noch Zeiten. Ich war jung und naiv – schrecklich schlecht vorbereitet und hatte einfach keine Ahnung. Zu großer Rucksack und somit viel zu viel Gepäck, falsche Schuhe und somit Blasen über Blasen über Blasen. Unbeschreiblichen Muskelkater. Das war ein Muskeltiger!! 😂 Aber es war eine tolle Zeit. Erste kleine Abenteuer. Erste Gipfelerfolge.
Häufig fuhren wir mit dem Wanderclub Halny am Donnerstagabend los, um Freitag, Samstag und einen Teil des Sonntags in den Bergen Polens zu verbringen. Übernachtet haben wir in Hütten, es wurde viel gesungen, getrunken und gelacht. An eine Tour erinnere ich mich noch besonders deutlich. Es war Winter und gemeinsam mit Filip und meiner italienischen Freundin Ilaria nahmen wir wieder an einer dreitägigen Wanderung teil. Das besondere war, dass immer die Neulinge die Touren planen und organisieren mussten und so kann es auch mal passieren, dass eine Tour in die Hose geht. Oder in diesem Fall in den Schnee. ❄ Der junge Kollege hatte die Sommerzeiten zur Planung verwendet und nicht bedacht, dass der Schnee uns langsamer machen könnte. 8 Stunden hatte er angesetzt… Tja… Da der Schnee uns ungelogen bis zu den Hüften reichte, hat es am Ende 16 Stunden gedauert. Es war eisig kalt – minus 15 Grad!!! Der Tee in meiner Thermoskanne, meine Hose, meine Haare waren gefroren. Ach, einfach alles war gefroren. Es war dunkel. Die Mädchen riefen immer zu “Wir werden sterben. Wir werden alle sterben.” Gut, dass mein Polnisch nicht allzu gut war. 😂 Ich habe mich darauf konzentriert, auf den Popo meiner Freundin zu schauen und einen Fuß vor den anderen zu setzen. Am Ende war ich erstaunt, wie viel man doch schaffen kann. Was der menschliche Körper leisten kann. Du denkst, du kannst nicht mehr und doch schaffst du die letzten drei Stunden auch noch. Was wäre auch die Alternative? Am nächsten Tag wurde schon wieder darüber gelacht. Klar, ist der eine oder andere vorzeitig abgereist. Aber im Prinzip ist ja nichts ernstes passiert. Es war halt lang, es war dunkel und es war kalt. Aber ich denke heute noch an die Tour, an gefrorene Schokolade und Ilarias Popo. 😀 Seit meiner Zeit bei Halny hat mich das Wandern nicht mehr losgelassen. Dafür bin ich dankbar. Also: Danke, Filip. Danke, dass du mich mitgenommen hast

Der Säntis und der Bodensee

Während meines Studiums in Konstanz war ich gar nicht so häufig wandern, obwohl die Berge doch fast vor der Tür lagen. Aber der Bodensee war auch sehr hübsch – ich bin wieder mehr Rad gefahren und habe das Leben genossen. Ach ja, studiert hab ich auch noch… 😉 Ein paar Mal war ich auf dem Säntis beziehungsweise zu seinen Füßen wandern oder bin mit meinem Hund durch die Marienschlucht getollt.

Meine neue Heimat München

Nach einer kurzen Zwischenstation in Berlin bin ich 2009 nach München gezogen und als ich das erste mal mit meinem Mitbewohner Jonas zum Klettern in die Berge gefahren bin und die Alpen erblickte, überkam mich so ein starkes Heimatgefühl, dass ich Tränen in den Augen hatte. Ich weiß es noch ganz genau, ich dachte “Hier bin ich zuhause.” Hier ging mein Outdoor-Leben eigentlich erst richtig los. Das Hallenklettern hatte ich bereits in Berlin für mich entdeckt und fand hier viele kletter- und bergvernarrte Freunde. Meine allererste Bergtour ging auf den Herzogstand und es war nicht das letzte Mal. In den sechs Jahren, die ich in München lebte, waren der Kochelsee und der Walchensee, der Herzogstand und der Jochberg meine liebsten Ausflugsziele am Wochenende.

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Meine erste Hüttentour in den Alpen

Im ersten Sommer unternahm ich dann auch gleich die erste Hüttentour. Rückblickend muss ich schmunzelnd mit dem Kopf schütteln. Ich war nicht wirklich fit, hatte wieder die falsche Ausrüstung und einen viel zu schweren Rucksack dabei. Wir hatten uns damals für eine Tour vom DAV entschieden – die Watzmann-Umrundung. Wer die schon mal gegangen ist, weiß, die ist nicht ohne. Nicht technisch gesehen, sondern konditionell. Natürlich haben wir als Flachlandtiroler auch versucht, das Hocheck zu besteigen. Ich bin kläglich gescheitert und wartete bei Kaiserschmarr’n in der Hütte, Tobi musste natürlich trotzdem hoch. Der Abstieg ins Wimbachgries dauerte dann einfach viel zu lang, sodass wir die Hütte für die Nacht nicht rechtzeitig erreichten und entschieden, uns im Ramsau eine Unterkunft zu suchen. Meine kleine Hündin Kira war damals auch mit dabei. Versucht mal, in der Hochsaison mit Hund ein Hotelzimmer zu bekommen. UNMÖGLICH!!! Wir haben echt alles abgeklappert und ich sah mich schon auf der Couch vom Sportplatz schlafen, als eine Familie sich erbarmte und uns ihr Gästezimmer zur Verfügung stellte. Ja, wir waren so verzweifelt und haben überall geklingelt. Es war auch mittlerweile dunkel. Hab ich schon erwähnt, dass ich keine Ahnung von nix hatte. 😂 Am nächsten Tag ging es dann bis zum Kärlinger Haus. Auch hier kamen wir kurz vor Küchenschluss an und waren froh, dass wir noch ein Schnitzel bekommen haben. Noch nie hat Essen so gut geschmeckt. Auch wenn ich bei dieser Tour mehr als einmal an meine Grenzen gestoßen bin, war es doch eine der schönsten Touren, die ich gemacht habe. Vielleicht gerade weil ich so unerfahren war und über mich hinausgewachsen bin. Ich habe das erste Mal richtige Höhenluft geschnuppert und Murmeltiere gesehen. Meine Hündin Kira leider auch. Weg war sie. Ich würd gern wissen, wie es wäre, die Tour jetzt – 8 Jahre später – noch einmal zu gehen.

Watzmann-Umrundung | Copyright: Anja Heuer
Watzmann-Umrundung | Copyright: Anja Heuer


Neue Hobbys in Bayern

In den folgenden Jahren habe ich angefangen, Ski zu fahren, habe das Schneeschuhwandern für mich entdeckt. Klettersteige – oh, ich liebe Klettersteige. Ich habe viele, viele Hüttentouren gemacht. Das ist auch heute für mich das größte. Mehrere Tage in den Bergen unterwegs zu sein. Einfach immer weiter zu laufen. 👩❤⛰ Ich habe die Alpen mit dem Fahrrad und zu Fuß überquert und bin dabei die Großglockner-Hochalpenstraße hochgeradelt. Mensch, wie hab ich geschimpft. Ich bin den Via ferrata No3 in den Dolomiten gelaufen. Ich habe einen Gletscherkurs gemacht. Ich habe meine ersten 3000er bestiegen. Ein paar hochalpinere Hüttentouren.  Nun häufig auch alleine. Kira ist leider nach 14 Jahren von mir gegangen. Es war wirklich eine schöne Zeit mit ihr und ich werde sie wohl immer vermissen. Mein erstes Baby. 👩❤🐶 Der Höhepunkt meiner Wanderzeit in München war bisher meine vierwöchige Wanderung in Nepal. Damit habe ich mir einen großen Traum erfüllt. Nepal, buddhistische Klöster und wandern non-stop.

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Was man nicht alles für die Liebe tut 😉

Wenig später habe ich meinen jetzigen Mann kennengelernt und auch wir waren fast jedes Wochenende in den Bergen. Aber nach nicht mal einem Jahr zog er dann nach Frankfurt. Tja, und ich hinter her. Hier bin ich nun. Ohne Berge und mit einem bald zwei Kindern.  Mir fehlen die Berge sehr. Aber ich würde es natürlich immer wieder so machen. Mein Mann und meine große Maus machen mich so glücklich, wie es auch die Berge nicht können. 👩❤👨‍👩‍👧 Aber auch von Frankfurt aus versuchen wir, oft wandern zu gehen und den einen oder anderen Urlaub in den Alpen zu planen. Und wer weiß, vielleicht hat uns München auch bald wieder.

Das soll jetzt nur ein kurzer Abriss meines Wander- und Berglebens gewesen sein. Aber wenn euch zum Beispiel die Alpenüberquerung oder die Nepaltour interessieren, schreibe ich gern mal einen längeren Beitrag zu diesen zwei ganz besonderen Abenteuern. 😃 Lasst mir einfach einen Kommentar da!

👨‍👩‍👧❤⛰

 

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