Wie hoch darfst du mit deinem Baby wandern?

Wie hoch darf ich mit den Muckelchen wandern gehen? Wann kann ich wieder auf einem 3000er stehen? Was muss ich beim Wandern mit Baby in der Höhe beachten? Diese und andere Fragen stellen sich wohl viele Eltern, die vor ihrem Leben als Mama und Papa passionierte Wanderer oder Bergsteiger waren. Zugegeben in Hessen kommen wir nicht häufig in den Genuss, wirklich hohe Berge zu sehen. 😂 Doch im September war es dann so weit. Das große Muckelchen wurde neun Monate alt und war damit alt genug für die Kraxe. Um das gebührend zu feiern, fuhren wir ins Zillertal und ins Berchtesgadener Land, um zwei Wochen g’scheiten Bergurlaub zu machen. ⛰😍

Bemühst du Dr. Google, findest du überall die Angabe, dass du mit kleinen Kindern unter 2000 Metern bleiben sollst. Aha… Und weiter? Ich hab mich durch diverse Links geklickt und am Ende zwei umfangreiche Artikel gefunden, die viele Fragen beantworten.

Über den Wolken - Blick vom Habicht, mein erster 3000er | Copyright: Anja Heuer
Über den Wolken – Blick vom Habicht, mein erster 3000er | Copyright: Anja Heuer

1. Man weiß es nicht

Da niemand Experimente mit noch ungeborenen Leben oder sehr kleinen Kindern macht – zu Recht! – gibt es auch keine Daten, keine Belege dafür, wie sich die Höhe auf kleine Kinder auswirkt. Schon beim Erwachsenen ist das sehr individuell. Du kennst es vielleicht selbst, die einen schlafen schon auf 1500 Metern schlecht und bekommen starkes Kopfweh. Den anderen machen auch 3000 Meter und mehr nichts aus. So viele Faktoren spielen eine Rolle – unter anderem Veranlagung, Höhe des Wohnortes, vorhandene Akklimatisierung und vieles mehr. Nicht aber der Fitnesszustand. Topfitte Bergsportler können genauso die Höhenkrankheit bekommen wie faule Couch Potatoes, oder eben auch nicht. Man weiß es nicht.

Da bei Erwachsenen die höhenbedingten Symptome auf 2000 bis 2500 Metern losgehen können, empfehlen Experten, auch mit kleinen Kindern nicht höher zu wandern. Dabei ist aber nicht die Wanderhöhe gemeint, sondern die Schlafhöhe. Wenn du also nicht auf 2000 Metern oder höher übernachtest, sollte alles gut sein. Wer auf Nummer sicher gehen will, bleibt auch beim Wandern unter 2500 Metern. Willst du den heiß ersehnten Gipfel mit 2784m jedoch trotzdem erreichen und dein Kind wirkt normal und putzmunter, solltest du folgendes beachten.

Innsbrucker Hütte auf 2369m | Copyright: Anja Heuer
Innsbrucker Hütte auf 2369m | Copyright: Anja Heuer

2. Babys können nicht äußern, was ihnen fehlt

Babys können vollkommen zufrieden in der Kraxe sitzen und sich über die vorbeiziehende Landschaft freuen. Babys können aber auch schreien. Sie können schlafen oder apathisch werden. Was noch? Babys können dir nicht sagen, dass sie Kopfweh haben oder ihnen schwindelig ist. Auch bei Erwachsenen ist es sehr schwierig die frühen Symptome der Höhenkrankheit zu erkennen. Durch die fehlende Kommunikation bei Babys und Kleinkindern können Symptome lang unentdeckt bleiben. Daher mache regelmäßig Pausen und achte immer auf die aktuelle Gemütslage deines Babys oder Kleinkindes.

  • Verhält es sich seinem Charakter entsprechend?
  • Isst es normal? Hat es Appetit?
  • Muss es sich übergeben?
  • Spielt es bei Pausen so wie sonst auch?
  • Kann es auf der Hütte gut einschlafen oder leidet es an schweren Schlafstörungen?

Wenn dein Kind auffällig ist – und wenn du nur ein ungutes Gefühl hast – dann steige schnell hinab ins Tal. Auch ein Tag Pause kann nicht schaden. Normalerweise sollten die Symptome bald nachlassen. Solltest du jedoch unsicher sein, geh lieber zum Arzt und lass es abchecken.

3. Schneller Aufstieg mit Gondel oder Sessellift

Neben der Schlafhöhe und der absoluten Höhe beim Wandern ist auch der Höhenunterschied, den du in kurzer Zeit zurücklegst, von Belang. Du kennst das sicher: Du fährst in einem sehr hohen Gebäude mit dem Fahrstuhl, das Flugzeug startet und du bekommst so einen Druck auf dem Ohr. Ganz automatisch gleichst du ihn aus. Ein paar Mal schlucken und er ist weg. Babys kennen und verstehen dieses unangenehme Gefühl nicht und fangen an zu weinen. Um deinem Baby bei einer Fahrt in Gondel oder Sessellift zu helfen, kannst du es stillen oder ihm eine Flasche geben. Auch am Schnuller nuckeln hilft. Dies gleicht den Druckunterschied auch bei ihm wieder aus. 😊

4. Schütze dein Baby vor UV-Strahlung

In der Höhe ist die Sonneneinstrahlung intensiver. Zusätzlich bist du wahrscheinlich auch den ganzen Tag unterwegs, was in einer normalen Arbeitswoche nicht der Fall ist. Soll heißen, dein Baby ist über einen längeren Zeitraum starker Sonneneinstrahlung ausgesetzt, die es so nicht gewöhnt ist. Daher ist es wichtig, dass du es entsprechend schützt. Plant eure Wanderung möglichst so, dass ihr nicht in der Mittagshitze lauft. Sonnenhut, Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 50, nicht zu viel nackte Haut und wenn du das hast einen Sonnenschutz für deine Kraxe.

5. Schütze dein Baby vor Dehydrierung

Viel Sonne, viel Bewegung, viel frische aber auch dünne Luft – in der Höhe müssen wir mehr trinken als sonst. Das gleiche gilt auch für dein Baby. Denn schnell ist es passiert: Du wanderst vor dich hin. Das Baby in der Kraxe auf deinem Rücken. Immer einen Fuß vor den anderen. Du bist so richtig im Flow und vergisst dabei das Trinken. Leg daher regelmäßige Trinkpausen für dich und deine Familie ein. Biete deinem Baby immer wieder die Brust oder die Flasche an. Bei älteren Kindern darf es auch gern der verdünnte Lieblingssaft sein. Hauptsache sie bekommen genug Flüssigkeit.

Ausreichend trinken ist wichtig | Copyright: Anja Heuer
Ausreichend trinken ist wichtig | Copyright: Anja Heuer

6. Achte auf ausreichend Kleidung

Im Tal ist es sonnig warm – auf dem Gipfel zugig und kalt. Schnell verschätzt sich hier der eine oder andere Wanderer und hat am Gipfel die falsche Kleidung an. Oft ist das nicht allzu tragisch, da er sich bewegt und dadurch warm wird. Dann wird die Pause halt kürzer. 😉 Dein Baby aber sitzt passiv in der Kraxe und kann sich auch nicht – wie in der Babytrage vorm Bauch der Mama oder des Papas – an dir wärmen. Daher ist es wichtig, immer mal wieder zu prüfen, ob der kleine Gipfelstürmer warm genug angezogen ist. Auch im Sommer ist es wichtig, ein Paar Handschuhe für eure Kleinen dabei zu haben, da diese schnell auskühlen. Auch ein Set Wechselklamotten solltest du einstecken. Milch, Brei oder ein Bad in der nächsten Pfütze – irgendwas geht ja immer daneben. 😂

Mit diesen Tipps gerüstet, konnten wir beruhigt in unseren ersten gemeinsamen Bergurlaub starten und richtige Gipfel erklimmen. Dem großen Muckelchen hat es an nichts gefehlt und wir Eltern schwebten im siebten Berghimmel. Hier eine kleine Auswahl unserer Touren:

 

Noch unsicher?

Wenn du eine konkrete Reise oder Tour planst, bei der du definitiv über die üblichen 2000 bis 2500m klettern wirst, empfehle ich dir die Seite von Dr. Eckehart Schöll. Er ist Oberarzt in der Schweiz und Experte auf dem Bereich der Höhenmedizin. Dr. Schöll betreibt einen Blog, in dem du ihm Fragen zur geplanten Tour stellen kannst und er gibt Empfehlungen und Tipps. Feine Sache!
https://hoehenmedizin.org

Quellen

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

Ein Kommentar auch kommentieren

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.